Am Mittwochabend, den 17. Juni 2026, durften wir im Priesterseminar Bischof Dr. Stefan Oster SDB begrüßen. Der Besuch war geprägt von geistlichen Impulsen und einem offenen Austausch über aktuelle Herausforderungen und Perspektiven kirchlichen Lebens.
Zu Beginn feierten wir gemeinsam die Heilige Messe. In seiner Predigt griff Bischof Oster die Seligpreisung „Selig, die arm sind vor Gott“ aus der Bergpredigt auf. Er stellte die Frage nach einer inneren Haltung der Offenheit und Bedürftigkeit vor Gott in den Mittelpunkt, einer Haltung, die den Menschen empfänglich macht für Gottes Wirken und ihn zugleich in Freiheit führt.
Nach dem gemeinsamen Abendessen im Speisesaal kamen die Seminaristen mit dem Bischof in der Aula zu einem ausführlichen Austausch zusammen.
Dabei berichtete Bischof Oster zunächst von seinem jüngsten Besuch in Malawi. Anlass der Reise war der Aufbau einer Bistumspartnerschaft des Bistums Passau. Eindrucksvoll schilderte er seine Begegnungen mit den Menschen vor Ort und zeigte sich tief bewegt von deren Glaubensfreude und Offenheit. Besonders hob er hervor, welche zentrale Bedeutung die Katechese im Leben der Gemeinden einnimmt. Trotz materieller Armut erlebte er dort einen lebendigen und selbstverständlichen Glauben, der ihn nachhaltig beeindruckte. Gemeinsam mit Hilfswerken soll die Unterstützung künftig weiter ausgebaut werden.
Im weiteren Gespräch teilte Bischof Oster Gedanken zur Situation der Kirche und zur Ausbildung zukünftiger Priester. Eine Herausforderung unserer Zeit sei es, ein konsequentes und tragfähiges Gebetsleben zu führen. Gerade daraus erwachse die Kraft für den priesterlichen Dienst.
Zugleich betonte er, dass Priester heute nicht nur Seelsorger für jene sein können, die bereits ihren Platz in der Kirche gefunden haben. Ebenso gelte der Auftrag den Suchenden und denjenigen, die sich entfernt haben. Neuevangelisierung und missionarische Jüngerschaft seien deshalb zentrale Themen – auch für die Priesterausbildung. Historisch seien solche Erneuerungsimpulse häufig von Ordensgründern ausgegangen; beispielhaft nannte Bischof Oster Franz von Assisi und Ignatius von Loyola. Der missionarische Impuls entstehe jedoch nicht aus Methoden oder Strategien, sondern aus der Freundschaft mit dem Herrn und einem Leben aus dem Gebet. Die Kirche brauche Männer und Frauen, die den Geist der Kirche in ihrer Zeit neu buchstabieren.
Ein weiterer Schwerpunkt des Austauschs war die Frage nach dem Menschen. Bischof Oster bezeichnete die Anthropologie als eine Schlüsselfrage unserer Zeit und formulierte den Gedanken, dass der Mensch „Sakrament sein“ solle – ein sichtbares Zeichen für Gottes Gegenwart in der Welt. Vor diesem Hintergrund ging er auch auf die Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz ein. Technische Möglichkeiten könnten vieles unterstützen, den Menschen in der Seelsorge jedoch nicht ersetzen. Gerade die persönliche Begegnung und Begleitung, etwa in der Telefonseelsorge, bleibe wesentlich menschlich.
Den Abschluss des Besuches bildete die gemeinsam gesungene Komplet in der Hauskapelle, ein ruhiger und geistlicher Ausklang eines bereichernden Abends.
Bericht: Steven Wucherpfennig